Weltkunst
Ausgabe 13 – 2010
[...] Bei Ralph Gierhards lohnt es sich, genau hinzuschauen. Ralph Gierhards leitet seit 2004 in zweiter Generation die Düsseldorfer Kunsthandlung. Bei ihm sieht kein Möbel “alt” aus, auch wenn sie aus der Zeit von Louis Quinze oder Louis Seize stammen. Das liegt vor allem an der erlesenen Auswahl der Stücke und auch an der ungewöhnlichen Auffassung ihrer heutigen Optik: Orange gefärbtes Straußenleder oder grauer Nerz sind die überraschenden “Bezugsstoffe” für Sessel und Hocker.
Dabei ist die Verarbeitung so edel wie die stets in Frankreich durchgeführte Restaurierung. Einige Objekte des inzwischen weiter ausgebauten Programms mit Terrakotta-, Marmor und Bronzeskulpturen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind auch in Köln dabei. Aus der Zeit des Empire stammen ein Paar patinierte und vergoldete Urnenvasen, so genannte Aiguières und ein François-Honoré-Georges Jacob-Desmalter zugeschriebener ausklappbarer Tisch.
Gierhards begibt sich mit Gemälden des französischen Postimpressionisten Eugène Chigot (1860-1923) dazu noch auf einen Nebenweg. Ein Bild zeigt einen “Sonnenuntergang bei Petit-Fort-Philippe” um 1902 in blau, grün, lila und gelb schimmernden Tönen. “Ich halte diesen Maler für total unterschätzt”, sagt Ralph Gierhards. [...]
Welt am Sonntag
7. September 2001
Ob Silber aus London oder weißes Gold aus Meißen, ob elegante Fauteuils französischer Könige oder Sekretäre aus England: Die Antiquitätenbranche in NRW ist facettenreich und hochkarätig und sie boomt: Denn Antiquitäten zu sammeln, ist eine Leidenschaft und die wohl schönste Wertanlage. Der Wertzuwachs ist im Schnitt größer als bei Aktien, etwa 20 Prozent im Jahr.
WELT am SONNTAG sprach mit den vier führenden Händlern aus Düsseldorf, Münster und Aachen, die auf internationalen Messen stets die schönen alten Sachen feilbieten. Dabei geht es ausschließlich um Objekte und Möbel aus dem 17., 18. und dem frühen 19. Jahrhundert. Was jünger ist, darf nicht als Antiquität bezeichnet werden. Geschwungene Formen, Goldverzierungen bis in die feinsten Verästelungen und geometrisch angeordnete Intarsien. Kommoden mit Chinoiserien, Sessel mit prunkvollem Seidenpolster und feine zierliche Damenschreibtische aus feinsten Hölzern. Helle und dunkle Würfel mischen sich zu effektvollen Kontrasten.
Im 18. Jahrhundert trieben es einige Kunsttischler (Ebenisten) auf die Spitze, erklärt Erwin Gierhards. Besonders an den französischen Königshöfen im ausgehenden Absolutismus verfeinerte sich der Geschmack, erklärt der Düsseldorfer Antiquitäten-Händler, der auf dem deutschen Markt eine Spitzenposition einnimmt. Sein Spezialgebiet hat sich in den Jahren gewandelt: Während er sich früher mit schwerem deutschen Barockmobiliar einen Namen machte, offeriert er heute nur noch Möbel, Gemälde und Objets d´Art aus den Epochen Louis Quinze, Louis Seize und aus der Übergangszeit. Mit antiken Möbeln leben, das gilt für den Händler und für viele Sammler als das Nonplusultra. Eleganz und Leichtigkeit vereinen sich zu höchster Perfektion. Ob Secrétaire Abbattant (mit breiter Schreibplatte), oder Sitzmöbel, Kommoden und Schränke, die von den Ebenisten Francois Bayer oder Thomas Hache im 18. Jahrhundert gefertigt wurden – Gierhards setzt nur auf erste Klasse. Das schätzen auch seine Kunden aus Frankreich. Vielleicht auch deshalb, weil er seine Sitz- und Salonmöbel nur von französischen Handwerkern restaurieren lässt. Nur sie verstehen sich, so Gierhards, auf das aufwendige Polstern mit Rosshaar, Seiden und Bordüren. (…)

